„Etruskische Faszination“
In 4 Etappen durch Wissenschaft, Zeit und Geheimnisse:
vom heutigen Tag ins Mittelalter, und bis zu den Etruskern

 

Wanderungen durch Natur und Archäologie

  1. “ORVIETO, DIE UNTERIRDISCHE STADT”

    Eine Führung an und durch den mächtigen Felsen auf dem die Stadt ruht. Ein Spaziergang zu den Wurzeln der Geschichte - vom Archäo- und Umweltpark bis zu „Orvieto Underground“ - auf Entdeckungsreise zu den Geheimnissen des Ab- und Untergrundes: Kolumbarien, Steinbrüche, Höhlen, eine mittelalterliche unterirdische Ölmühle, etruskische Brunnenschächte, die Höhle der versteinerten Baumstämme.

    Dauer: 4 Stunden

  2. “DAS ETRUSKISCHE ORVIETO, WIE OBEN SO UNTEN”

    Mit der Führung „Orvieto Underground“zu den dem Leben gewidmeten Werken der Etrusker; in der Nekropole „Crocifisso del Tufo“zu denen die dem Tode angehörten.

    Dauer: 3,5 Stunden

  3. “SPAZIERGANG DURCH DIE ZEIT: von Orvieto nach Porano”

    Route ‚der bemalten Gräber‛, längs des mittelalterlichen Aquädukts, der Orvieto im 14. Jahrhundert mit Wasser versorgte; durch Kastanienwälder bis hin zu den Jahrtausende alten Gräbern der Etrusker. Mit seid kurzem eingerichtetem Rastplatz, von dem man eine der schönsten Aussichten auf die Südseite Orvietos geniesst.

    Dauer: 6 Stunden

  4. “SPAZIERGANG DURCH NATUR UND ARCHÄOLOGIE” Gemeinde Porano

    Nur ein in kleiner Ausflug in den Wald, doch... zwischen den Bäumen, das uralte Grab der adeligen etruskischen Familie der Heskanas (Ende 5. Jahrh. v. Chr.), und der Aquädukt, der im Mittelalter Orvieto mit Wasser versorgte.

    Dauer: 3 Stunden

Infos und Buchungen:
Libreria Valente – Succursale Touring Club Italiano 
via dei Gualtieri, 7 – 05018 Orvieto (Tr) 
0763 342840 
Für weitere Buchungen siehe Seite kontakte

Im Folgenden ein Stück des Abenteuers, das eine kleine Gruppe orvietanischer Höhlenforscher in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebte, als sie die spannende Wieder-Entdeckung der 1200 Grotten Orvietos anging.

Es war einmal... eine Stadt. Das hört sich wie der Beginn eines Märchens an; ist aber in Wirklichkeit der Anfang einer Geschichte die wie eine alte Sage anmutet, und die ein fast unglaubliches Abenteuer erzählt: die Entdeckung einer Stadt unter einer Stadt.

Diese Stadt ist Orvieto, die schon ihrem Aussehen nach den Abbildungen eines Märchenbuches entsprungen zu sein scheint, so hoch auf ihrem Felsen thronend, ringsherum vom Rest der Welt getrennt. Ein Felsen der jedoch, obwohl er die Stadt seit mittleweile dreitausend Jahren stützt, seine Aufgabe recht ungeschickt erledig: Einbrüche, Erdrutsche, Abspaltungen, allerhand Gezitter machen die Bewohner immer schon recht argwöhnisch. Das liegt an der Zerbrechlichkeit des Gesteines welches den Felsen bildet: Tuff und Puzzolanerde. Aüsserst bröckelige Materialien, die man fast mit der blossen Hand abtragen kann. Aber eben deshalb auch Gestein, das es einfach macht in ihm zu graben, zu bohren, Höhlen zu erschaffen... zwei...hundert...tausend davon.

Diese Geschichte erzählt vom Abenteuer einiger Höhlenforscher, die unter der kleinen Altstadt von Orvieto, gerade in dem grossen und so unbeständigen Felsen, eine unglaubliche unterirdische Welt wiedergefunden haben, eine Welt, die gegraben, gebraucht und dann vergessen worden war: ein dunkles Labyrinth von 1200 Grotten, Gängen, Schächten, Zisternen - von den Menschen, Pickelschlag auf Pickelschlag, erschaffen, während fast dreitausend Jahren ununterbrochener und beharrlicher Arbeit.

Alles begann Ende der Siebziger Jahre, als ein grosser Erdrutsch dem Felsen ein beträchtliches Stückchen abbiss, in einer Entfernung von nur hundert Metern vom hochberühmten Dom. Dies war das letzte einer ganzen Reihe von Vorkommnissen, erzeugt durch die hydrogeologische Zerrüttung des Felsens. Damals horchte die ganze Welt erschrocken auf, besorgt um die Stadt und um ihre Kunstschätze. Und auch das Grüppchen erfahrener und abgehärteter Höhlenforscher der Stadt spitzte die Ohren. Denn man war schon seid längerem neugierig geworden, da es schon immer Gerüchte gab, verschwommen allerdings und ungereimt, eine Art alter städtischer Sage, wonach die Stadt „unten ganz leer” währe.

Der Felsen selbst offenbarte in einigen seiner hohen und steilen Wände geheimnisvolle Öffnungen, Fenstern und Zugängen ähnlich, von regelmässigen Umrissen gezeichnet; wie leere, dunkle Augenhöhlen, die wie zwinkernd einluden zu dunklem und unerforschtem Unterirdischen; wie schwarze Löcher des Alls - mit unwiderstehlicher Anziehungskraft gegenüber den orvietanischen Höhlenforschern. Und genau da begann die Wiederentdeckung der unglaublichen unterirdischen Wirklichkeit. Nachdem die Seile an den Bäumen der Gärten, die den ganzen oberen Rand des Felsens bedecken, befestigt waren (und wenn keine Bäume da waren, an den Halbachsen der Autos), begannen die Höhlenforscher längs der facettierten steilen Wände des Felsens in die Tiefe zu sinken. Grosse Gefühlserregung gab es da. Gefühlserregung, das ist das Wort für all die Eindrücke die dieser Erforschungen entsprangen. Gefühlserregung, erst einmal wegen des freien Raumes in dem abgeseilt wurde: denn zwar waren es die Höhlenforscher gewohnt mutig längs ihrer Seile grosse Höhenunterschiede zu überwinden, jedoch innerhalb der engen und dunklen Umgebung von Grotten, wo die Sicht nur kurz, beschränkt auf den Lichtkreis der Acetylenlampen ist, und die Dunkelheit dadurch gnädig die schauerlichen Abgründe verbirgt. Hier dagegen musste man sich plötzlich an den freien Blick im Offenen, kilometerweit, gewöhnen, und an das Seil das keines mehr war, da es zu einer nur ganz dünnen Schnur da in der Tiefe schrumpfte... und wer behauptet, nicht zumindest das erste Mal ein wenig Herzklopfen gespürt zu haben - der spricht die Wahrheit nicht. Gefühlserregung, vor allem aber wegen dem was sich zeigte, als man in die Felsgrotten gedrungen war. Durch Stollen verbundene und durch kleine Fenster beleuchtete rechteckige Räume, dutzende von Metern lang aufeinander folgend, auf verschiedene Stockwerke verteilt, und untereinander mittels kleiner Schächte und Rutschen vernetzt. In den hinteren, inneren Wänden, öffneten sich dann enge Gänge, die ins Herz des Felsens wiesen, und durch die immer nur ein Mensch allein unter grossen Schwierigkeiten kriechen konnte. Und auch das nur wenige Meter weit, denn unweigerlich stellte sich ein Einbruch quer, ein unüberwindbares Fragezeichen bezüglich des Ende des Ganges. Die Jahre hatten die Böden mit einer Schicht von extrem feinem Puzzolanstaub bedeckt, der sich mit jedem Schritt erhob, und dann unbeweglich in der Luft stehen blieb, manchmal durchdrungen von schräg einfallenden Sonnenstrahlen, wodurch diese Höhlen fast magisch angehaucht erschienen. Doch waren es die Wände dieser Zimmer, die den Eindruck einer irrealen Dimension hervorriefen, eines unheimlichen Doppels der Welt der Oberfläche: tausende würfelförmige Nischen, eine Handbreit Tief, bedeckten sie alle vollkommen und ohne Unterbrechung, von den Böden bis zu den Decken. Ähnlich der Erzählung "Der Unsterbliche" von Jorge Luis Borges. Natürlich war hier kein Gott am Werk gewesen, und auch kein Irrer. Alles entsprach dagegen den Kriterien einer rationellen Ausbeutung des Untergrundes. Denn die Höhlenforscher hatten in Wirklichkeit jene als „Kolumbarien” bekannten unterirdischen Einrichtungen wiederentdeckt, die von den alten Bewohnern Orvietos direkt hinter der Felsenwand eingerichtet worden waren, um in den eigens dafür geschaffenen Nischen Tauben zu züchten - heute noch ein Klassiker der örtlichen Kochkunst.

So hatte sich die Eingebung der Forscher als richtig erwiesen, und es war bestätigt worden dass Orvieto, wie der Volksmund behauptet hatte, „unten ganz leer‟ war. Und wirklich, der städtische Untergrund begann sich zu zeigen, indem er die Forscher mit einer solchen Anzahl von Grotten belohnte, dass es bald notwendig wurde eine sehr genaue Katalogisierungsarbeit in Angriff zu nehmen, die die Grotten nach Typus, Alter der Ausgrabung und anderen Parametern unterscheiden musste, wodurch die Archivierung der gesammelten Daten rationell eingerichtet war. Zu diesem Zeitpunkt schlossen sich die Archäologen den Höhlenforschern an, und die Stadt enthüllte weiter ihre unglaublichen unterirdischen Verstecke, wahre Wurzeln auf denen sie gewachsen war und dank deren sie sich aufschichtete. Wurzeln, die dann durch die Zeit in Vergessenheit gerieten. Insgesamt haben die entdeckten Höhlen die Anzahl 1200 erreicht, jedoch ist diese Mengenangabe, wenn auch erstaunlich, nur ein fader Abschlag der geleisteten Arbeit. Denn sie sagt nichts darüber aus, was man spürt wenn man, beispielsweise, einen engen Gang entlang kriecht und dann plötzlich auf einen Schacht stösst, in dessen Tiefe sich der Lichtstrahl der Stablampe verliert ohne auf den Grund gelangen zu können. Da wirft man dann ein Seilende nach unten und beginnt eine Niederfahrt durch einen Schlauch, der nur wenig mehr als einen Meter Durchmesser hat, und nach 35 Metern auf einem Geröllhaufen endet, der wer weiss wann von wer weiss wem hier aufgeworfen wurde. Auf halber Höhe aber verlieren sich zwei Gänge ins Dunkel. Also, kurz in die Schwebe, und nach einigen Pendelbewegungen wuchtet man sich hinein und kriecht sie entlang... aber in Kürze enden sie plötzlich. Scheinbar haben die alten Grubenbauer hier ihre unterirdische Schwerstarbeit unterbrochen - jedoch weshalb? Darauf gibt es keine Antwort. Und das, während oben die Stadt ihrem Alltag nachgeht ohne zu ahnen, dass genau da unten, in wenigen Metern Tiefe, ein behelmter Forscher sich durch eine Öffnung zwängt, die sich in einem kleineren Einbruch gebildet hatte, vorsichtig unstabile und besorgniserregende Felsbrocken umstreichend, um endlich, nach Jahrhunderten Dunkelheit als Erster wieder Licht bringend, in eine Zisterne zu schauen, gelb im Schein der Acetylenlampe, deren grosse Tuffblöcke im 5. Jahrhundert v.Chr. von den Etruskern hier aufgeschichtet worden waren.

Schon vom 9. Jahrh. v. Chr. an war der Felsen kolonisiert worden, und bald danach blühte hier eine wichtige etruskische Stadt auf, das alte Velzna. Aus dieser Zeit stammen die ersten von Menschen erschaffenen unterirdischen Räume, die der Wassersuche dienten. Denn Wasser war ein unersetzliches Gut für die damalige, dank ihrer hohen Felswände uneinnehmbare Stadt, die den Belagerungen widerstehen musste. Doch leider fehlt Wasser vollkommen auf dem hochgelegenen Plateau des Felsens. Daher die Notwendigkeit Brunnen zu graben. Brunnen die sehr tief, im Schnitt rechteckig und nie grösser als 80 x 120 cm sind. Extrem eng, stossen sie dutzende von Metern in die Tiefe, um die unterirdischen Wasseradern zu finden. Die beiden längeren Wände weisen regelmässige Einkerbungen auf, in gleichbleibendem Abstand angebracht, die sogenannten "pedarole" - Trittlöcher also. Diese dienten dazu, sich im Schacht nach oben und nach unten zu bewegen. Jeder Brunnenschacht war sich praktisch selbst auch Leiter, und diese funktionieren auch heute noch: die Höhlenforscher, indem sie die Fussspitzen in die Trittlöcher steckten und sich mit Händen und Armen abstützten, sind so in die Tiefe gestiegen und wieder nach oben geklettert, sich dessen bewusst, dass sie, Aufgrund des zwingenden Automatismus den diese Schächte dem Menschen auferlegen, Bewegungen wiederholten, die schon vor 25 Jahrhunderten tausendemale andere Menschen vor ihnen genau dort ausgeführt hatten. Die Etrusker fertigten weiter Zisternen an um das Regenwasser zu speichern, und ein dazu zweckdienliches ausgedehntes System von unterirdischen Gängen. Dank all diesen Vorkehrungen erreichte Velzna eine Unabhängigkeit in der Wasserversorgung, die es ermöglichte den römischen Legionen mehr als zwei Jahre lang zu widerstehen, bis die Stadt dann 264 v. Chr. schliesslich von den Römern erobert wurde. Auch während den daraufffolgenden Jahrhunderten dauerten die Grabarbeiten an. Der städtische Untergrund beherbergt riesige unterirdische Steinbrüche, durch die tonnenweise Puzzolanerde gefördert wurde, weiter Brunnenschächte und Zisternen jeder Epoche und Grösse, Stollen, Keller, Fluchträume, und Abfallgruben in denen man heute noch Scherben feinster Keramik des Mittelalters und der Renaissance birgt. Manchmal beschenkt der Zufall mit der Entdeckung wichtiger Grotten, denn so war es zum Beispiel im Fall des „Pozzo della Cava“. Der Besitzer einer Trattoria des mittelalterlichen Viertels hatte bemerkt, dass eine augenscheinlich als Stütze dienende Mauer in seinem Keller nachgegeben hatte. Deshalb nahm er ein paar Tuffsteine heraus und entdeckte... das Leere! Hinter der alten Mauer war nichts! Sofort nachdem sie davon gehört hatten, waren die Höhlenforscher auch schon zur Stelle, es wurde meterweise Seil durch die kleine Öffnung gesenkt, und dann begann das langsame Schweben in die nachtdunkle Tiefe - allerdings erst nachdem sich ein Wortstreit zwischen den Forschenden betreffs der Ehre des Vortritts entfacht hatte, der dann allerdings ritterlich durch Ellenbogenstösse entschieden worden war. Die Forscher wurden von einem grossen Brunnenschacht aufgenommen, der erst 30 Meter tiefer auf einem Geröllhügel endete. Und man sah, dass die Brunnenwand einen senkrechten Einschnitt aufwies, der sie die ganze Tiefe lang verfolgte und der Trittlöcher hatte: es war der Rest eines etruskischen Brunnenschachtes. Aber noch weitere Überraschungen sollte es geben, denn einige Jahre später beschloss der Besitzer den Brunnen vom Geröll, das in unten verstopfte, zu befreien, auch da man Urkunden gefunden hatte, woraus hervorging dass dieser Brunnen im 17. Jahrhundert noch Wasser enthalten hatte. Und wirklich, nach einigen Metern Ausgrabungen stiessen die Höhlenforscher dann tatsächlich auf das Wasser, und auch auf einen kleinen Stollen (in über 35 Meter Tiefe!) der nach 15 Metern vollkommen mit Lehm verstopft ist, und so heute ein weiteres nicht ergründetes Rätsel der Stadt darstellt.

Die jedoch faszinierendste Entdeckung gab es in einer in der Nähe des Domes gelegenen Höhle. Dort kam nämlich eine ganze Olivenölmühle aus dem Mittelalter zu Tage, noch ausgestattet mit ihren Mühlsteinen, der Presse, Feuerstelle, den Futterkrippen der Tiere die in der Mühle arbeiteten, Wasserleitungen und Zisternen. Eine grosse Werkstatt in einer Grotte, deren Form und Aussehen sofort die vielen unterirdischen Stätte der Etrusker ins Gedächtnis ruft, und verschiedene Vermutungen bezüglich ihres ursprünglichen Zweckes zulässt. Und eben dieser Ort ist ein Teil der Führung "Orvieto Underground".

Die Eigenschaften der die Schichtungen des Felsens auf dem die Stadt ruht ausmachenden Gesteine, waren ausschlaggebend für die Umweltbedingungen die die Bewohner veranlassten im Untergrund so ausdauernd zu graben, dass sich heute ein unglaubliches Labyrinth von Höhlen, Brunnenschächten, Zisternen und Gängen, Orvieto Underground genannt, uns darbietet.

Von Weitem gesehen, zum Beispiel von der Autobahn, oder längs der Windungen der Staatsstrasse 71, von Viterbo kommend, zeigt sich Orvieto auf ganz eigentümliche Weise, und sofort, dank des ausserordentlichen Anblickes, wirkt es sehr einnehmend. Am Südende eines weiten Tales, eingeschlossen von Hügeln, die mit Wäldern und geordneten Weinbergreihen bedeckt sind, steht eine vollkommen abgeschiedene Erhöhung, deren Hänge sich sanft vom Talgrund erheben. Auf dem Gipfel, als hätte ein mythologischer Gigant in dort hingewuchtet, ragt ein riesiger Block aus Tuffstein, dessen senkrechte, glatte und hohe Wände die Stadt stützen, die ihrerseits, mit ihren Dächern, Türmen und Kuppeln, die fast waagrechte Oberfläche dieses unerwarteten Plateaus unterbricht und belebt.

Die Schichten dieses beeindruckenden Komplexes sind recht vielfältig, jedoch ist es möglich, von unten beginnend, sie vereinfachend unter nur drei Arten zusammenzufassen:

  • der Hügel, aus Lehm bestehend, ein ehemaliger Meeresboden aus dem Pliozän, hier vor der Erhebung der Apenninkette entstanden;
  • die "Reihe des Albornoz", dünn und nicht überall sichtbar, aus Fluss- und Seeablagerungen stammend, mit vulkanischen Schichtungen vermischt; diese Schicht erhielt ihre Bezeichnung vom Namen der durch Kardinal Albornoz im 14. Jahrhundert befohlenen Festung, da sie in deren Nähe am stärksten hervortritt und sichtbar ist;
  • der Felsen streng genommen; er entstand im Laufe von ungefähr 300.000 Jahren als Produkt der letzten Ausbrüche der Vulkane Monti Volsini, und besteht aus einem steinartigen, schwarze Schlacke enthaltenden Tuff, der wiederum einen echten, gelb-orangefarbigen Tuff beinhaltet, auch dieser steinartig und stark mit Bimsstein gesprenkelt; und aus einem äusserst bröckeligen, graufarbigen Gestein welches, allerdings fälschlich, als Puzzolanerde bezeichnet wird.

Diese eigentümliche Schichtung beeinflusst die unterirdische Wasserzirkulation, und so beginnt man zu ahnen, warum die Bewohner des Felsens im Untergrund der Stadt so aktiv waren, und ungefähr 1200 Grotten erschufen

Sowohl der Tuff als auch die sogenannte Puzzolanerde sind beide, wegen ihrer Porosität und der grossen Anzahl von Rupturen, durchaus wasserdurchlässig, so dass das Regenwasser von der Felsoberfläche aus bis auf die Lehmschicht des Pliozän ununterbrochen sickert und fliesst, ohne auf irgendwelche Hindernisse zu stossen.

Auf der Lehmschicht beginnt dann der Weiterfluss auf waagrechter Linie, was schliesslich dazu führt, dass sich um den grossen Tufffelsen, genau an der Verbindungsstelle aus Tuff und Lehm, am Fusse des Felsens eben, ein ganzer Ring von Wasserquellen gebildet hat. Deshalb befindet sich immer schon das der Stadt notwendige Wasser ausserhalb derselben, ausserhalb sogar der senkrechten Felswände, die allerdings als schützende, unbezwingliche Stadtmauren geschätzt wurden. Leicht kann man sich also vorstellen, dass es immer schon mühselig, im Falle einer Belagerung jedoch äusserst gefährlich war, sich mit diesem Wasser zu versorgen - im letzten Fall war es in Wirklichkeit unmöglich aus der Stadt und zu den Quellen, die sich ja mittlerweile in Feindeshand befanden, zu gelangen. Höchstwahrscheinlich lag hier der Antrieb zum Beginn der Grabarbeiten, d.h. die absolute Notwendigkeit der Wasserversorgung der Stadt zwang die Bewohner zu den ersten Schürfarbeiten. Und so begann man komplexe Regenwasserzisternen zu graben; und auch unheimlich tiefe Brunnenschächte, welche durch die porösen Schichten hindurch bis auf den, das Grundwasser haltenden, Lehm stiessen.

Mit diesen Grotten zusammen, die eben der Wassersuche und Wasseraufbewahrung dienten, wurden auch all die anderen erschaffen, die einer Vielzahl von Zwecken dienten. Auch für diese wirkte sich die geologische Struktur des Felsens vorteilhaft aus, denn wieder waren es die Lockerheit der Puzzolanerde und die Weichheit des Tuffs, die es ermöglichten den orvietanischen Untergrund aufs Beste zu nutzen, und so diesen überraschenden "Doppelgänger" der Stadt, "Orvieto Underground" eben, zu erschaffen.

Eine kurzer Rundblick, um zu wissen wo man parken und spazieren gehen kann, und was eine Stadt zu bieten hat, in der man bei jedem Schritt etwas schönes, beeindruckendes und unvergessliches entdeckt, eine Stadt, die an Kunstwerken und Monumenten einzigartig ist.

Als Tourist beginnt man Orvieto zu besichtigen... bevor man noch in Orvieto angekommen ist. Das hört sich wie ein paradoxer Slogan an, oder wie ein Paradox für einen Slogan, jedoch beginnt man wirklich schon von weitem die Stadt zu geniessen, so bald sie hoch auf ihrem Tuffelsen erscheint. Der erste Eindruck, den man aufnimmt: eine Insel ohne Meer, thronend über einem weiten Tal, ein steinernes Schiff, welches, den Nebel (den man des morgens oft antrifft) pflügend, über einen träumerischen Ozean reist. Eine Stadt eigntümlicher Erscheinung, die schon Fazio degli Uberti mitte des 14. Jahrhunderts als „hoch und fremd“ bezeichnete

Am Fusse des Felsens angekommen, stellt sich das Problem eines Parkplatzes – und ist auch schon gelöst. Hier kann man wählen zwischen:

  • dem Parkplatz der Standseilbahn (Funicolare), sehr gross, hinter dem Bahnhof gelegen, und mit dem Stadtzentrum durch die charakteristische Standseilbahn verbunden, mit der man in ungefähr zwei Minuten auf den Felsen gelangt, und zwar genau an die Haltestelle von der aus ein Bus weiter bis zum Domplatz fährt.
  • dem Parkhaus Campo Boario, auf halbem Weg zwischen Tal und Stadt gelegen, und mit dem Stadtzentrum durch Aufzüge und Rolltreppen verbunden;
  • den Parkplätzen von Piazza Cahen, Via Roma (überdacht), Piazza Marconi, im Stadtinnern gelegen.

Um die Stadt gründlich zu besichtigen benötigt man mindestens einen ganzen Tag... doch leider ist ja die Zeit gebieterisch.
Auf den Dom, der dank seiner Mosaiken als „goldene Lilie unter den Kathedralen“ bekannt ist, kann man natürlich nicht verzichten. Seine reich verzierte, einzigartige Fassade wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts von Lorenzo Maitani entworfen. Im Innern befindet sich, inmitten des Reichtums der dort aufbewahrten Kunstschätze, die marmorne Pietà, von Ippolito Scalza im Jahre 1579 gemeisselt. Die Perle der Kunstschätze des Doms ist allerdings die Kappelle des Hl. Brizio, deren Wände von 1499 bis 1504 von Luca Signorelli aus Cortona freskiert wurden. Es handelt sich um ein Jüngstes Gericht und ist einer der grossartigsten Zeugnisse der italienischen Malerei.

Erinnern wir uns daran, dass vom Domplatz Nr. 23, gerade gegenüber der Kathedrale, neben dem Fremdenverkehrsbüro, jeden Tag und zu verschiedenen Uhrzeiten die Führungen "Orvieto Underground" losgehen.

Am tiefsten Punkt des Felsens, dem Piazza Cahen, befindet sich der sprichwörtliche Brunnen des Hl. Patrizio, den man bis zu seinem 60 Meter in der Tiefe gelegenen Grund, längs zweier breiter Treppenspiralen, besichtigen kann. Ein unglaubliches Werk der Ingenieurskunst, entworfen von Antonio da Sangallo dem Jüngeren im Jahre 1527 im Auftrag von Papst Klemens VII, der hierher vor den Truppen Karls V flüchtete, als diese Rom in Schutt und Asche legten. Die beiden Treppenrampen umschlingen sich wie die Doppelspiralen der DNA, wobei eine zum hinuntergehen und die andere zum nach oben steigen dient. Diese erfinderische Einrichtung ermöglichte es mit Lasttieren bis ans Wasser zu gelangen, und dann die beladenen Tiere wieder ans Tageslicht zu führen, ohne dass sie sich gegenseitig behinderten.

Nicht weit vom Brunnen entfernt, befindet sich die schön gelegene Festung Albornoz (1364), heute ein öffentlicher Stadtpark, von wo der Blick die die Stadt umschliessenden Hügel und das Tal erschliesst.

Der mittelalterliche Turm Torre del Moro (besichtigbar) stellt das topografische Zentrum der Stadt dar. Er befindet sich an der Kreuzung des Corso Cavour mit der Via del Duomo. Der Gipfel des Turmes bietet einen Rundblick von 360°, über die ganze Stadt und ihre Umgebung.

In unmittelbarer Nähe überrascht der Palazzo del Capitano del Popolo, im 13. Jahrhundert erbaut, verschönert durch Triforen und ghibellinischen Zinnen. Eine sorgfältige Restaurierung hat sein Inneres, nicht ohne die etruskischen und mittelalterlichen Zeugnisse ins richtige Licht zu setzten, in ein modernes Kongresszentrum verwandelt.

Das mittelalterliche Stadtviertel ist nicht weit von hier entfernt: es macht den westlich gelegenen Teil der Stadt aus. Eigentümlich und steil gelegen, kann man hier wunderschön längs des Felsrandes spazieren gehen, durch enge und steile Strässchen, die sich nach den alten Wachwegen orientieren. Zwischen den Häusern, die fast ohne Unterbrechung eins ins andere übergehen, zelebrieren hier hohe Felsspitzen aus Tuff täglich die ewige Einheit dieser Stadt mit ihrem zauberhaften Felsen. Es lohnt sich, sich hier Zeit zu nehmen, sich in diesen Gässchen zu verlieren, und sich ganz vom Rhythmus der Plätze, Höfe und Ausblicke in das Grüne der Landschaft einnehmen zu lassen.

Die Stadt hat dem Reisenden noch viel anderes Wunderbare zu bieten: Jahrhunderte alte Kirchen, in denen wertvolle Malereien und Skulpturen aufbewahrt sind (San Francesco, San Domenico, Sant'Andrea, San Giovanale, San Lorenzo de Arari); Renaissancepaläste, linear und doch prunkvoll, durch graues Basaltgestein bereichert, ausgewogen in Form, Ausmass und Ornament; Überraschendes auch im Untergrund, wie das unglaubliche Orvieto Underground, wo man ohne Mühe die Reste menschlicher, fast drei Jahrtausende währender Arbeit durchwandern kann, Arbeit, die in den Grotten Orvietos wie versteinert überlebt hat; oder der Pozzo della Cava, ein tiefer und grosser, in den Tuff gebohrter Zylinder, dessen erste Spur aus etruskischer Zeit stammt.

Um aber ein vollkommenes Bild von Orvieto zu bekommen, lohnt es sich die Antike der Stadt aufzusuchen, die Meilensteine der Existenz der Etrusker, der Begründer der Stadt, die damals Velzna hiess und so reich war, dass sie zu jenen Zeiten auch Oinarea ('wo der Wein fliesst'), genannt wurde. Dazu dienen die Museen Museo Archeologico Nazionale und Museo "Claudio Faina", welche sich am Domplatz befinden, während die Nekropole Crocefisso del Tufo ausserhalb, direkt am Fusse des Felsens gelegen ist. Sie war vom 6. bis zum 3. Jahrh. v. Chr. der Friedhof der Stadt. Beeindruckend ist sowohl die genaue Anordnung der Gräber, Anzeichen einer 'Stadtbauplanung', die die ganze Anlage praktisch vorzeichnete, als auch die Querbalken der Grabeingänge, welche die Namen der Toten 'verkünden' (die Formel der Inschriften lautet: "Ich gehöre ...")